Indianer in Kanada

Indianer in Kanada
Indianer in Kanada © Erica Guilane-Nachez - Fotolia.com

Das Department of Indian Affairs and Northern Development, welches als Ministerium für die Beziehungen zwischen den sogenannten First Nations - den Ureinwohnern Kanadas - und der restlichen Bevölkerung im nordamerikanischen Staat verantwortlich ist, verzeichnet nicht weniger als 642 Indianerstämme, die sich zwischen den Landesgrenzen auf gut dreitausend Reservate verteilen. Den Bärenanteil bildet dabei die Provinz British Columbia, wo über ein Drittel aller Stämme beheimatet sind. Auf den folgenden Plätzen liegen mit deutlichem Abstand die Provinzen Saskatchewan, Ontario und Manitoba. Der Rest der Stämme verteilt sich bis in die entlegensten Winkel; hinein in oftmals dünn bis fast gar nicht besiedelte Regionen im Yukon, in Labrador oder auf Prince Edward Island.

Insgesamt beanspruchen mehr als 700.000 Kanadier den Titel "Indianer" für sich - was im Land der parlamentarischen Monarchie und den dort lebenden 33 Millionen Bürgern nicht ganz unproblematisch ist. Denn noch immer entscheidet der Staat beziehungsweise das Department darüber, wem der Titel "Indianer" zugesprochen wird und wer dadurch in den Genuss juristischer und politischer Besonderheiten kommt. So sind bis heute de facto 150.000 Einwohner überhaupt keinen Stämmen zuzurechnen und haben sich somit als "First Nations" mit einem ethnischen Minderheitenstatus zufriedenzugeben, mit dem keine Art von Völkerrecht verbunden ist. Dies ist unter anderem der Grund dafür, das sich 1982 die Versammlung der First Nations als Nachfolgeorganisation der National Indian Brotherhood konstituierte. Sie formuliert seitdem die politischen wie kulturellen Forderungen einer Minderheit, deren indigene Wurzeln bis weit zurück in die Vergangenheit reichen; genauer formuliert bis weit vor das Jahr 1500, als erstmals Kontakte mit Europäern und die damit verbundene Kolonialisierung im Namen der Königshäuser erfolgte.

Aber wer ist nun Indianer und wer Nicht-Indianer? Der stets ratifizierte Indian Act, ein kanadisches Gesetz aus dem Jahr 1876, regelt bis heute in weiten Teilen die ethnische Einordnung einzelner Stammesangehöriger. Die ihm zugrunde liegenden Paragraphen entscheiden darüber, ob und welchem Stamm jemand angehört und ob er möglicherweise durch Heirat oder Vermischung seiner Abstammungslinie ein Indianer ohne Status ist. Zwar sind die Rechte der Statuslosen längst nicht mehr so eingeschränkt wie zu Zeiten der Jahrhundertwende, als öffentliche Stammesriten, Wahlrecht oder der Verkauf bestimmter Waren stark reglementiert waren; dennoch gibt sich die Versammlung der First Nations unter ihrem derzeitigen Vorsitzenden Phil Fontaine, einem Angehörigen der Ojibwa, weiterhin kämpferisch. Auch in seiner dritten Amtszeit wird Fontaine nicht müde, auf die oftmals prekären Lebenssituationen einiger sozial am Abgrund stehenden Non Status Indianer hinzuweisen.

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